Strafe muss sein
15. Juni 2011Über die heilsame Wirkung einer schlechten Erfahrung
Das griechische Drama zeigt nicht nur, wohin es führt, wenn eine Gesellschaft jahrzehntelang das Einkommen zukünftiger Generationen verfrühstückt; es zeigt in noch viel stärkerem Maße, wohin uns eine Finanzwirtschaft führt, in der falsches Verhalten nicht bestraft wird.
Egal wie die Geschichte schlussendlich ausgehen mag: Den Griechen wird gegenwärtig und in absehbarer Zukunft die Rechnung eine jahrzehntelang andauernde Schuldwirtschaft präsentiert und keiner wird am Ende dieses Prozesses das Gefühl haben, dass es sich gelohnt hat. Sollten Sie sich je wieder von diesem Schlag erholen, werden Sie es sich wohl zweimal überlegen, bevor sie sich in ein ähnliches Desaster stürzen werden.
Erfahrung lehrt uns, Gefahren aus dem Wege zu gehen. Leider vermeidet es die Politik konsequent - wohl im Irrglauben damit das Unvermeidliche aufzuhalten - den weltweiten Finanzinvestoren dieselbe Möglichkeit der heilsamen Erfahrung zuteilzuwerden. Das Gegenteil ist der Fall: Die EZB hilft ihnen sogar noch, sich weiter am Elend der Griechen zu bereichern. Ich will Ihnen das einmal schematisch darstellen:
Fiat Money – Geldschöpfung absurd
Eine Bank besitzt 25.000 €. Auf dem freien Markt erwirbt sie Anleihen des griechischen Staates mit einem Nomialwert von 100.000 € und einem Coupon von 4%. Aufgrund der fragwürdigen Kreditfähigkeit der Griechen bezahlt die Bank hierfür 25.000 €. Jährliche Zinsen von 4.000 € auf 25.000 € Investition ergeben eine Rendite von 16%. Risikogerecht, den die Wahrscheinlichkeit, dass das Geld jemals zurück bezahlt wird, ist denkbar klein.
Soweit so gut. Die Kasse der Bank ist nun leer, aber nicht für lange. Sie reicht nämlich die eben gekaufte Anleihe als Sicherheit an die EZB weiter und erhält dafür ein Darlehen zu einem Zinssatz von 1.5%. Damit hat die Bank wieder 25.000 € in der Kasse, erzielt Einnahmen von 4.000 € im Jahr und muss gleichzeitig 375 € Zinsen zahlen. Macht ein netter Gewinn ohne wesentlichen Aufwand von 3.625 €! Jährlich versteht sich. Die Rendite auszurechnen fällt schwer, denn unter dem Strich hat die Bank ja gar keine Investition getätigt!
Die meisten Privatanleger fänden ein solches Zinsdifferenzgeschäft zweifellos lukrativ. Nicht so Banken, welche ganz andere Vorstellungen von einem lukrativen Geschäft haben. Aus diesem Grunde werden von der EZB nicht 25.000 € Kredit abgerufen, sondern das Mehrfache davon. Wir erinnern uns: Die Anleihe hat einen Nominalwert von 100.000 € und kann entsprechend auch viel höher beliehen werden. Dass dieser Wert völlig aus der Luft gegriffen ist, interessiert die EZB nicht.
Sicherlich haben Sie schon eine Idee, wie man als Bank das neu geschöpfte Geld investieren könnte.
Reichtum entsteht nicht im Himmel
Was ich Ihnen hier schematisch dargestellt habe, ist in Tat und Wahrheit noch viel schlimmer. Ich verzichte darauf, Ihnen die Geschichte in extremis zu erzählen, denn Sie würden mir nicht glauben.
Tatsache ist: Das Elend der Griechen bedeutet für Finanzinvestoren ein risikoloses Geschäft, bei welchem viel Geld verdient wird, ohne einen einzigen Cent Wert zu schaffen. Wenn jedoch keine neuen Werte geschaffen werden, ist es auf Dauer nicht möglich riesige Gewinne zu erzielen und unmoralische Gehälter und Bonifikationen zu zahlen. Dieser Traumblase muss früher oder später platzen - genau wie das sinnlose Konstrukt der griechischen Finanzmythologie.
Genau diese heilsame Korrektur, die Möglichkeit aus Fehlern zu lernen und Erfahrung aufzubauen, verhindert die Politik seit Jahren mit der Begründung, dass ein Kollaps des Bankensystems einen unermesslichen Schaden verursachen würde. Das ist grundsätzlich richtig, nur die Schlussfolgerung ist falsch.
Fehlerverhalten muss bestraft werden
Solange ein Fehlverhalten nicht bestraft, sondern wie oben beschrieben, sogar noch belohnt wird, solange werden die Finanzhaie kein Maß finden und das System aussaugen so weit es geht. Eigentlich kann man ihnen deswegen nicht einmal einen Vorwurf machen, denn dieses Verhalten ist leider einfach nur menschlich.
Der Mensch lernt durch Fehler, für welche er bestraft wird. Je schneller die Strafe kommt, desto eher reagiert er und korrigiert sein Verhalten. Je weiter er sich von einem vernünftigen Verhalten entfernt, desto bitterer wird die Erfahrung. Die Schuldenkrise zeigt in aller Deutlichkeit, dass unser Finanzsystem ist, zutiefst krank ist. Es wäre an der Zeit den heilenden Schnitt zu wagen. Und ja, es tut weh. Verdammt weh, aber das, ist der Preis für die Unvernunft der Vergangenheit und der Schmerz wird sich nicht mehr verhindern lassen. Wir sollten es wagen, bevor die schleichende Enteignung des Volkes eine rasche Genesung unwahrscheinlich macht.
Daniel S. Batt
Finanzplaner mit eidg. FA (FH)
www. vorsorgeportal.org